Künstlicher Liebesbrief
Künstlicher Liebesbrief
Mir fehlt der Geruch von Kaffee am Morgen und wie deine Küsse die Nacht aus meinem Gesicht trieben. Und wie sie den Tagesanbruch betteten in Vertrauen. Das Licht deiner Augen zog mich in seinen Bann, ich glaube es hat mich jeden Tag neu besiegt. Ein Kampf den ich gerne verlor. Deine Nähe war stets hell, war überbelichtet. Dein so formloses, liebliches Vertrauen ermöglichte uns Tage völliger Zeitlosigkeit. Wie in einem Märchen war es mit dir, alles geschah scheinbar an einem einzigen Tage. Nur das Jetzt und das gemeinsame Erleben zählte. Wir streiften durch verwunschene Wälder, ließen dem Geist Raum, fanden uns in vertrauensvollen mystischen Räumen. Manchmal triumphierte dein Mund über mich und es war Traum, Raum und Zeit vergessen.
Noch lange nach meinem Tode erinnerte ich mich an Wangen wie Rosengärten, an Füße wie Porzellan, an mein schlafendes Gesicht in deinen Händen. Wie süßer Honig liefen die Erinnerungen durch meinen Geist. Mein Gebot war dein Lächeln, das bis in mein dunkelstes sein Licht warf und erheiterte. So aufgehellt waren die Tage wie milde Sonnen. Mein Steinpanzer aus Schuldgefühlen wurde von Tag zu Tag leichter, bekam Risse und zerfiel, wurde zu Erde und wurde vergessen. Nach meinem Tod musste ich dich wieder der Form überlassen. Mir blieb nur das Märchen erhalten.
Und ich lehnte alle ab, die Vergangenheit über dich sprechen wollten. Nun sieh doch, diese Tränen überkommt mich noch nach all den toten Jahren und sie reflektiert mit ihrem kleinen Licht immer noch dein Lächeln.